Die günstige Einsteiger Micro-FourThirds-Systemkamera E-PL1 von Olympus scheint eine Kamera zu sein, an der sich die Geister scheiden. Im Micro-FourThirds-Forum bei dpreview gibt es haufenweise Posts, in denen Leute beschreiben, warum sie ihre E-PL1 entweder abgöttisch lieben oder aber bereits nach wenigen Tagen frustriert zurückgegeben haben. Bei Fanatikern aller Lager ist allerdings wie im echten Leben etwas Vorsicht geboten. Schauen wir uns die Sache in aller Ruhe mal etwas genauer an – wie immer allerdings mit einer praktischen Annäherung, für das Fotografieren von Siemenssternen bei genormten ISO-Werten werden bereits andere bezahlt. Außerdem erwartet Sie eine Beispielgalerie, eine Umfrage sowie einige Zubehörempfehlungen.
Warum gerade die E-PL1?
Welche Überlegungen mich zum Kauf der E-PL1 geführt haben?
- Zuallererst die fehlende Videofunktion an meiner Panasonic G1. Bewegtbilder finde ich aber eine zunehmend reizvolle Ergänzung zu den “Stills” – ein Medium, das ich von seinen Möglichkeiten her unbedingt näher erforschen möchte.
- Kompakt sollte es sein und leichtgewichtig und natürlich ebenfalls eine MFT-Kamera, damit ich meine bereits “gesammelten” MFT-Objektive wie das schöne Panasonic 20/1.7, das 45-200 oder das Panaleica 45/2.8 weiter benutzen kann.
- Die Panasonic GF1 gefiel mir ganz gut, aber der optional erhältliche Aufstecksucher erschien mir im Verhältnis Preis/Nützlichkeit aufgrund der geringen Auflösung keine besonders gute Option. In Punkto Komposition fällt mir die Arbeit mit dem Sucher aber wesentlich leichter nur als mit dem Rückseitendisplay der Kamera, daher ein nicht ganz unwichtiger Punkt.
- Die E-PL1 bot nach allem, was ich gelesen hatte, eine leichtgewichtige Kamera mit vielen Entfaltungsmöglichkeiten in einem Design, das mir gut gefiel. Mit dem zusätzlichen Sucher und dem optionalen Stereomikro bleibt auch konzeptionell Raum für den weiteren Systemausbau, wenn man sich mit der Kamera erstmal grundlegend vertraut gemacht hat.

Erste Erfahrungen
Ich muss gestehen, dass ich nach den ersten paar Tagen mit der E-PL1 zwar ganz zufrieden, aber nicht gerade begeistert war: Einerseits bietet sie eine tolle Qualität der aufgenommenen Bilder auch ohne viel weiteren Nachbearbeitungsaufwand, aber das Handling (dazu zähle ich mal die Bedienung, aber auch das Display und den Autofokus) ist in einigen Aspekten zumindest gewöhnungsbedürftig. Beispielsweise lag bei manchen vermeintlich tollen Aufnahmen der ersten Woche der Fokus leicht daneben, was aber auf dem Kameramonitor ohne Einsatz der Lupenfunktion gar nicht zu sehen war und aufgrund des gegenüber der G1 langsameren und nicht so genau “dosierbaren” Autofokus entgingen mir auch ein paar Schnappschüsse.
Was nun?
Dann traf ich drei Entscheidungen, die für mich persönlich (sicher kein Universalrezept) ungemein hilfreich dabei waren, mit der E-PL1 endlich richtig “warm” zu werden:
- RTFM (Read-the-F***-Manual). Supercontrol-Panel einschalten zur schnelleren Einstellungsänderung, Tastenbelegung und Bildschirme anpassen, einige Tricks und Kniffe in den nicht gerade intuitiven Menüs herausfinden, die den Umgang mit der Kamera erleichtern und die Ergebnisse der fotografischen Bemühungen verbessern helfen: All das entgeht einem, wenn man sich das Lesen des Handbuchs “erspart”. Für eine Kamera dieses Preissegments bietet die E-PL1 aber eine unglaubliche Fülle an Anpassungsoptionen, die man aufgrund der teils recht verschlungenen Menüpfade ohne Handbuch wahrscheinlich nur zu einem kleinen Teil herausfinden wird.
- Einspielen der verfügbaren Kamera- und Objektiv-Updates. Ist mit dem Olympus Kamera-Updater ganz einfach, auch für die Panasonic-Objektive. Der Autofokus verbesserte sich merklich (ist aber subjektiv immer noch nicht ganz so zuverlässig und treffsicher wie der der Panasonic-Konkurrentinnen).
- Da das Display das einzige Kompositions- und Kontrollinstrument der E-PL1 darstellt und die Auflösung, aber auch die Ablesbarkeit des Display in hellem Sonnenlicht alles andere als großartig sind, ist der hervorragende Aufstecksucher VF-2 wirklich eine Überlegung wert. Er bietet ein hochauflösendes, gestochen scharfes Bild, mit dessen Hilfe man auch auch in sehr heller Umgebung sicher manuell fokussieren kann. Alle Informationen, die auf dem LCD dargestellt werden können, lassen sich auch im Sucher einblenden. Außerdem kann man den Sucher “abknicken”, was in einigen Situationen durchaus hilfreich ist.
Kritikpunkte und Einschränkungen
- LCD: Für mich einer der Schwachpunkte der E-PL1 (und ihrer anderen PEN-Schwestern E-P1 und E-P2). Wie man heute in eine Kamera für halbwegs anspruchvolle Kundschaft noch ein Display mit derart niedriger Auflösung (230.000 Punkte bei 2,7″) und Schärfe verbauen kann, wird wohl ein Geheimnis der Olympus-Strategen bleiben. Eine Beurteilung der Detailschärfe bei manuellem Fokussieren ist jedenfalls eine Herausforderung, vor allem bei hellem Umgebunglicht. Der hervorragende Aufstecksucher VF-2 bringt hier Abhilfe, allerdings um den Preis von rund 200,- EUR und einer Verringerung des Größenvorteils.
- Autofokus: Leider kann man die Größe des AF-Feldes nicht wirklich gut einstellen auch verschieben. Mittleres AF-Feld benutzen, präfokussieren und Ausschnitt komponieren wenn genug Zeit ist. Gefühlt hilft manchmal auch die Gesichtserkennung, die Schärfe besser dorthin zu bekommen, wo man sie tatsächlich haben will. Die Geschwindigkeit fand ich nach den Updates von Kamera und Objektiven kein wirkliches Problem mehr. Sportfotografen werden sich aber vielleicht nach einem anderen System umschauen wollen.
UPDATE: Bitte lesen Sie dazu auch den Artikel Video-Tipp: AF-Nachhilfe für die E-PL1 – dort wird erklärt, wie man die Größe des AF-Feldes ändern kann! - Das Stativgewinde befindet sich neben der optischen Achse des Objektivs.
- Keine Möglichkeit, einen elektronischen Fernauslöser zu nutzen.
- Eingebautes Mikrofon nur Mono - Anschluss eines externen Stereomikrofons über Adapter ist aber möglich.
- Zubehör-Port lässt entweder den Anschluss des Aufstecksuchers oder des Stereomikro-Adapters oder eines externen Blitzgeräts zu.
Prima gelöst
- Die viel gelobte JPEG-Engine lässt wirklich kaum zu wünschen übrig: Knackscharfe Aufnahmen mit guter Farbabstimmung (manchmal etwas zu warm), auch ISO 800 und 1600 ist noch gut verwendbar und setzt auf die Aufnahmequalität der E-P2 nochmal ein drauf. Mit dem RAW-Format kann man nochmal etwas mehr aus den Aufnahmen herausholen und Belichtung und Weißabgleich sehr einfach korrigieren. Mit dem neuesten Update unterstützen nun auch endlich Adobe Photoshop und Elements die RAW-Dateien der E-PL1.
- Der eingebaute Popup-Blitz ist zwar kein Leistungswunder aber zum Aufhellblitzen am Tag und für nahe Motive in der Dunkelheit gut geeignet. Außerdem kann er einen externen Blitz triggern. Blitzsynchronzeiten einstellen kann man auch nicht bei jeder Kamera.
- Gegenüber der E-P2 wird immer wieder die weniger wertige Bauweise bemängelt. Auf der anderen Seite liegt die E-PL1 sehr gut in der Hand und ist ein echtes Leichtgewicht. Und wirklich billig finde ich sie auch nicht in der Anmutung. Das Design geht jedenfalls in Ordnung – genau richtig, um unauffällig zu bleiben.
- Dass aus Kostengründen ein paar dedizierte Knöpfe zum direkten Verstellen eingespart wurden, ist auch schon reichlich diskutiert worden. Wenn man sich allerdings des Supercontrol-Panels bedient, kann man auch mit der E-PL1 schnell den einen oder anderen Parameter angepasst. Und den Fn-Knopf kann man sich ja auch noch belegen (z.B. als digitale Abblendtaste).
- Last, but not least: Im Gegensatz zur Konkurrenz kann man auch mit der neuesten Firmware noch günstigere Fremdakkus einsetzen.
Beispielbilder
Und was ist mit Video?
Wie bereits eingangs beschrieben bin ich auf dem Gebiet noch ein “Frischling”. Die Qualität der Videos geht jedoch für mich als Anfänger absolut in Ordnung, vor allem in Kombination mit dem Leica DG 2.8/45 ist eine sehr gute Schärfe und ein Freistellen des Hauptmotivs vor einem unscharf gezeichneten Hintergrund möglich. Weitere Untersuchungen zu diesem Thema folgen.
An die Urnen, bitte
Meine Panasonic G1 hat derzeit meist das Nachsehen, wenn es um die Vergabe des Platzes in der guten Kalahari-Fototasche geht. Das kann aber momentan auch noch der Spieltrieb sein. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wer den längeren Atem hat.
Gerade in Anbetracht des moderaten Preises und der rweiterbarkeit sowie der weitreichenden Konfigurationsmöglichkeiten und sehr guten Bildqualität entscheidet der Test-Bär aber jetzt schon auf:
Prädikat SEHR EMPFEHLENSWERT
Jetzt sind Sie gefragt:
Weiterführende Links
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