Sir Mikels Reisetipps: Schottland

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Hier und da

Schottland bietet einen unglaublichen Reichtum an Naturerlebnissen und steinerne Zeugnisse der Vergangenheit sind allgegenwärtig. Die bekannten Bilder aus Reiseführeren und Bildbänden bezauern und inspirieren uns. Da gerät man schnell in die Gefahr, bei einer Rundreise “alles” sehen zu wollen.

Die folgenden Tipps für Zwischenstopps auf einer Schottland-Rundreise können natürlich nur subjektive Anregungen aufgrund meiner individuellen Reiseerfahrungen sein. Legen Sie vor Ort einfach mal einen Halt ein, wo es Ihnen gefällt, machen Sie an einer Kreuzung eine ungeplante Abbiegung und entdecken Sie für sich Ihr eigenes Schottland.

Anreise

Schottlandkarte

Schottlandkarte

  • Der konventionelle Weg: das Flugzeug, auch Ryanair fliegt mittlerweile direkt nach Edinburgh.
  • Wer Zeit hat, der mag sich eine Bahnreise überlegen. Man nähert sich langsam, über Aachen und Brüssel, wer mutig ist, nimmt den Eurostar und verschwindet für eine dreiviertel Stunde unter der Erde um dann bei Folkstone auf britischem Boden geblendet wieder in die überirdische Welt zurückzukehren. In der guten, alten Zeit (also meiner Jugend) konnte man noch über Oostende nach Dover oder Ramsgate mit dem Passagierschiff übersetzen, aber das ist heute – zumindest bei bahn.de – nicht mehr vorgesehen.
  • Ansonsten gibt es für Autofahrer noch den Weg mit dem Schiff von Rotterdam nach Hull, aber vorsicht, das Lenkrad sitzt dann auf der falschen Seite… ;-)

Gegenden

Im Osten

Das Klima im Osten Schottlands ist etwas trockener, da der Golfstrom die Luft bereits an den Erhebungen im Westen abregnen lässt.

  • Edinburgh

    Edinburgh

    Edinburgh:An der Hauptstadt kommt keiner vorbei. Ob Royal Mile, Castle Hill und Castle, die rührige Princess Street,Arthurs Seat oder die unzähligen Pubs und Museen, hier findet jeder etwas für seinen Geschmack.

  • North Berwick: Wenn man Tantallon Castle langsam aus dem Morgennebel auftauchen sieht, ist das ein unvergessliches Erlebnis. In North Berwick selbst findet sich das Scottish Seabird Centre, das viele interessante Infos über die heimischen Seevögel vermittelt, aber auch zu eigenen Beobachtungen und entdeckungen einlädt.
  • South Queensferry: Wie der Name schon suggeriert verkehrten hier früher die Fähren über den Firth of Forth. Heute gehen sie noch auf die Inseln im Firth, unter anderem nach Inchcolm, wo die Inchcolm Abbey Touristen anlockt. Vom Ufer aus hat man einen guten Blick auf die gewaltigen Forth Bridges.
  • Culross scheint eine Zeitkapsel zu sein: Hier ist ein ganzes Dorf  im 16. und 17. Jahrhundert stehen geblieben zu sein. Unter den unzähligen historischen Gebäuden sticht der gelb leuchtende Palace besonders hervor.
  • Stirling: In der Mitte zwischen beiden Großstädten gelegen ist das gewaltige Stirling Castle ein Bollwerk mit fantastischem Weitblick. Auch das Städtchen selbst ist einen Besuch wert.
  • Dunfermline: Die alte Königsstadt beeindruckt unter anderem mit Dunfermline Palace and Abbey, wo das Herz von König robert the Bruce zu finden ist.
  • Perth: Die Partnerstadt Aschaffenburgs ist zumindest für jeden Einwohner des bayerischen Nizza ein Pflichtstopp auf der Schottland-Rundreise. Die Stadt selbst hat nur ein paar historische Gebäude zu bieten, ansonsten eine relativ gesichtslose Fußgängerzone. Einen Besuch wert sind die idyllischen Branklyn Gardens auf der anderen Seite des Tay, hier kann man für eine zeitlang einfach die Seele baumeln lassen. Der eigentliche Star von Perth liegt aber etwas außerhalb: Scone Palace, der alte Königspalast.
  • Weiter an der Ostküste entlang kann man in den Hafenstädtchen Carnoustie und Arbroath an einem windigen Tag die spritzende Gischt an den Kaimauern erleben -echte Nordsee-Atmosphäre…
  • Über Montrose geht es nach einem Zwischenstopp in Kineff Old Church, wo einst die Kronjuwelen versteckt wurden, weiter zum beschaulichen Städtchen Stonehaven. Für den Besuch des spektakulär auf einem Felsen im Meer gebaute Dunottar Castle sollte man auf jeden Fall etwas Zeit einplanen.
  • Die Granitstadt Aberdeen kann an einem Regentag ziemlich bedrückend wirken. Die drittgrößte Stadt des Landes kann gleich mit zwei Universitäten aufwarten und einem lebhaften Hafen, der Drehpunkt der hiesigen Ölindustrie ist. Die wechselhafte maritime Geschichte der Stadt arbeitet das Maritime Museum auf.
  • Nun kann man an einem schönen Tag die Küste verlassen und durch das liebliche Dee Valley ins Landesinnere vordringen. Eine ganze Reihe berühmter Castles säumt diesen Weg. In Crathes Castle lädt der wunderbare Walled Garden zum Verweilen ein.
  • Wer ein wenig Glück hat, kann in den schönen Orten Ballater oder Braemar den jährlichen Highland Games beiwohnen und wer noch mehr Glück hat, erhascht dabei sogar einen Blick auf die Queen, die gerade etwas Abwechslung während ihres Aufenthalts im nahe gelegenen Familiensitz Balmoral sucht.  Ein Besuch von Schloss und Gärten ist allerdings nur möglich “when the Queen’s away”.
  • Über einsame Highlandsträsschen geht es über Spital of Glenshee, das hauptsächlich aus einem Hotel für Naturfreunde besteht, weiter nach Pitlochry, einem betriebsamen Städtchen, das mit seinen gemütlichen Unterkünften und Pubs zu einer Übernachtung einlädt. Vielleicht auch zu einer Besteigung des Hausbergs Ben Vrackie und einer Besichtigung der kleinsten Distillerie Schottlands in Edradour. Und dann gibt es in Pitlochry noch den Damm mit Lachsleiter und das dort gelegene Festival Theater, das im Sommer mit einem reichhaltigen Bühnenprogramm aufwarten kann.
  • Zwischen Perth und Pitlochry gelegen ist das romantische Städtchen Dunkeld, bekannt vor allem wegen seiner gut erhaltenen Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert. Im benachbarten Birnam gibt es den schönen, kleinen Beatrix Potter Garden, der an die Schriftstellerin, die hier in der Kindheit ihre Urlaube verbracht hat, und ihre Geschöpfe wie den weltbekannten Hasen Peter Rabit erinnert. Shakespeare-Kenner werden sich auch erinnern, welch entscheidende Rolle der hiesige Wald im Drama Macbeth gespielt hat.
  • Von Pitlochry weiter gen Norden passiert man bei Blair Athol das weiss leuchtende Blair Castle und Dalwhinnie, in dessen Distillerie der wunderbar weiche Highland Whisky gebrannt wird.
  • In Kingussie ist der Highland Wildlife Park beheimatet, den man teils mit dem Auto durchfährt, teils durchwandert. Die sehr schöne Anlage ist auf jeden Fall einen Besuch wert.
  • Vorbei am Wintersportort Aviemore steuern wir nun auf Inverness zu, die lebhafte Hauptstadt der Highlands. Hier bieten sich reichhaltige Einkaufsmöglichkeiten, vor allem im Outdoor-Bereich. Beim Abendspaziergang am River Ness ist dieser von einem goldenen Sonnenschein getränkt (sofern vorhanden :-) und man blickt hinauf auf den Hügel zum Inverness Castle. Die Stadt selbst ist eine durchwachsene Mischung aus Altem und nicht immer besonders hübschem Neuen.
  • Östlich von Inversess ist auf jeden Fall die imposante Festung Fort George einen Besuch wert. Hier kann das militärische Leben der Vergangenheit hautnah erlebt werden.
  • Weiter gen Osten gibt es bei Nairn die steinzeitlichen Clava Cairns zu bewundern und noch ein paar Kilometer weiter das hübsche Brodie Castle, dessen Park zu einem Picknick einlädt. Bei einer Rast im dortigen Tearoom kann man neben einer guten Tasse Tee auch hausgebackene Kuchen genießen.

Der Norden

Wer den äußersten Norden Schottlands besucht muss die Einsamkeit lieben und darf vor dem Wetter und langen Autofahrten für kurze Strecken keine Angst haben.

  • Wer etwas Zeit mitbringt und Lust auf eine einsame Fahrt durch die Highlands, der biegt in Helmsdale auf das Strässchen Richtung Kildonan ab. Dort gab es im 19. Jahrhundert einen schottischen Goldrausch. Am Kildonan Burn kann heute immer noch geschürft werden – immerhin besteht der Ehering der Queen auch aus Kildonan Gold.
  • Weiter geht es zur Küste und vorbei am Kernkraftwerkskomplex Dounreay. Von dort aus kommen wir auf der A836 nach
    Highland Road

    Highland Road

    Thurso, einem Hafenstädtchen mit etwa 7.500 Einwohnern und nördlichster Eisenbahnendpunkt der Far North Line.

  • Thurso bezieht seine touristische Bedeutung aus seiner Funktion als Fährhafen nach Orkney. Das Ferry Inn in Scrabster ist mittlerweile wohl generalüberholt und hat den Charme der 1950er Jahre abgelegt, den wir noch geniessen durften. Es bietet sich als Unterkunft an, da nur wenige Meter entfernt frühmorgens die Fähre ablegt.
  • Auf Orkney bietet sich eine Reise durch die Jahrtausende: Der große Steinkreis der Standing Stones of Stenness, der Wehrturm Broch of Guernsey und als Krönung die jungsteinzeitliche Siedlung Skara Brae. Auch das nahe gelegene Herrenhaus Skaill House ist einen Besuch wert.
  • Die nordöstlichste Landzunge, Duncansby Head mit ihrem fotogenen Leuchtturm und den schroffen Felsklippen bieten eine natürliche Schönheit, die nebenan das bekanntere John o’ Groats so nicht bieten kann. Aber die Geschichte vom Niederländer Jan de Groot, der hier im 15. Jahrhundert mit Erlaubnis des Königs einen Fährbetrieb aufbaute und in seinem achteckigen Haus einen ebensolchen Tisch hatte, um keinen in der Familie zu bevorzugen, ist eben zu gerne erzählt.
  • Das Castle of Mey war der Lieblingswohnsitz der inzwischen verstorbenen Queen Mother und kann heute als ein Museum ihres Lebens besichtigt werden.
  • Weiter gen Westen geht es bei Tongue über die Kyle of Tongue Bridge und um Loch Eribol herum bis zur Smoo Cave, einer alten Schmugglerhöhle, die heute stilecht mit dem Boot besichtigt werden kann.
  • Über Durness geht es auf der A838 schließlich wieder Richtung Südwesten.

Im Westen

Der raue Westen liegt im lieblichen Golfstrom, bekommt deshalb aber auch eine Menge Regen ab. Hier finden sich die bekannten Inseln wie Lewis, Skye und Mull.

  • Im äußersten Nordwesten liegt die einsame Ladspitze Cape Wrath, die nicht direkt mit dem eigenen Fahrzeug zu erreichen ist.
  • Single Track Roads (etwas abseits liegt der Fischereihafen Kinlochbervie) führen über Laxford Bridge am Loch Laxford auf die A894 weiter nach Scourie Bay.
  • Mitten in der Einsamkeit liegt Kylesku und die Chance in den Kylesku Lodges, Ruhe und Natur pur zu genießen.
  • Wunderschöne Highlandszenerie findet man am Loch Assynt.
  • Unbedingt eine Übernachtung wert: das Städtchen Ullapool am Loch Broom. Die fotogenen Häuser an der Harbourfront, nette kleine Läden und Restaurants, aber auch im Spätsommer – die Midges! Quälgeister erster Güte, diese winzig kleinen Stechmücken. Allerlei Mittelchen werden dagegen angeboten, doch vergebens. Am besten gleich ein Mückennetz überhängen.
  • Von Ullapool aus geht es auf die Stornoway Ferry oder auch nur für eine Rundfahrt auf die Summer Isles auf die “Summer Queen“. Mit etwas Glück sieht man Robben, viele Seevogelarten und sogar Wale oder Delfine.
  • Naturfreunde machen noch einen Abstecher in die Corrieshalloch Gorge an, bevor es auf der A832 weiter geht nach Inverewe, wo die berühmten Gärten nahezu ein Pflichtprogramm darstellen.
  • Nun kommen sie, all die oft besungenen Lochs: Loch Maree, Loch Carron und schließlich ist man am Kyle of Lochalsh am Übergang zur Isle of Skye angekommen, der “Feeninsel”. Und wir sind wieder auf der geographischen Höhe von Inverness zurück. In den Zeiten, als Strome noch ein belebter Fährort war, konnte man sich die Umfahrung des Loch Carron sparen, heute ziert das Ortsschild von Strome Ferry der Hinweis “(No ferry)”. Dort liegt die Ruine Strome Castle und die Wracks der beiden Fähren, die bis 1970 die Strecke über die Meeresenge bedienten.
  • Auf die Insel Skye muss man heute nicht mehr mit der Fähre fahren, denn es gibt eine (kostenpflichtige) Brücke, die aber zugegeben einen ziemlich unromantischen Zugang auf die Insel gewährt.
  • Vorbei am Loch Garry kommt man nach Invergarry, von wo aus ein Abstecher nach Fort Augustus infrage kommt (welches man aber auch von Inverness aus bei einer rundfahrt um Loch Ness besuchen kann).
  • Wenn auch Loch Lochy passiert ist, steuert man auf Fort William zu, der nach Inverness größten Stadt der Highlands. Die Eisenbahn von Glasgow nach Mallaig hält hier und es ist Endpunkt des West Highland Way. Der Charme des Ortes hält sich aber in Grenzen, Geschäft reiht sich an Geschäft, um den geneigten Touristen mit allem zu versorgen, was er für die diversen Outdoor-Sportarten benötigt.
  • Da lohnt es sich eher, für das beschauliche Städtchen Oban etwas mehr Zeit einzuplanen. Der schöne Hafen, die örtliche Whisky-Brennerei und natürlich als Krönung auf dem Hügel über der Stadt Mc Caig’s Folly, das ruinierende Geschenk eines Bankers an seine Stadt, die Hülle eines Amphitheaters – eine echte Folly. Wer danach Hunger nach einem Imbiss verspürt, kann sich beispielsweise in einem Fish&Chips-Shop oder in McTavish’s Kitchen stärken. Außerhalb der Stadt finden sich die Reste von Dunstaffnage Castle.
  • Um Loch Awe herum, Inveraray
  • Loch Lomond
  • Helensburgh
  • Dumbarton
  • Glasgow: Die ehemals hässliche Schwester hat sich gemauert und nicht zuletzt durch den Titel Kulurhauptstadt 1990 eine Anschub zur Veränderung von der Industriestadt zu modernen Metropole erhalten. Vieles Alte ist dabei den Bulldozern zum Opfer gefallen, die Innenstadt hat sich zur Shoppingzone gemausert. Unbedingt einen Besuch abstatten sollte man St. Mungo’s Cathedral und dem Nekropolis, wo man einen ganz eigenen Blick auf die Stadtgeschichte erhält.
  • Bothwell Castle
  • Hamilton Mausoleum

Der Süden

Die Borders, die Grenzlande zum geliebten Feinde England, haben ihren ganz eigenen Charakter, der sich völlig von den Highlands unterscheidet. Gerade im Herbst vermögen die bunt gefärbten Wälder den Besucher ganz besonders zu verzaubern. 

  • Ayr
  • Alloway
  • New Lanark
  • Biggar
  • Moffat
  • Dumfries
  • Dawyck Botanic Gardens and Arboretum
  • Peebles
  • Galashiels
  • Selkirk
  • Abbotsford
  • Melrose
  • Dryburgh
  • Kelso
  • Jedburgh
  • Berwick-upon-Tweed

 

 

Übernachten

Wer Wert auf persönlichen Kontakt zu den Schotten während des Schottland-Urlaubs legt, der wird gerne Bed&Breakfast Unterkünfte nutzen, auch wenn diese inzwischen in vielen Städten unverschämt teuer geworden sind. Oftmals sitzt man mit anderen Gästen am großen Tisch in der Küche der Gastgeber. In der Hochsaison ist auf jeden Fall ein Vorbuchen für den nächsten Tag zu empfehlen, um sich den abendlichen Stress einer Herbergssuche zu ersparen.

Literaturempfehlungen

Links

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Der Chefredakteur der gleichnamigen Website. Zugegeben manchmal ein ziemlicher Brummbär.