Insofar as looking at Arbus’s photographs is, undeiably, an ordeal, they are typical of the kind of art popular among sophisticated urban people right now: art that is a self-willed test of hardness.
(Susan Sontag: On Photography)
Fotografen seien grausam und auch gemein, sagte Diane Arbus und meinte damit vielleicht auch sich selbst. Gegenstand ihrer Fotografien waren Randgruppen der Gesellschaft, Behinderte, Außenseiter, “Freaks”. Ihr Blick allerdings war kein moralischer, ethischer, der dem Betrachter die Augen öffnen wollte für skandalöse gesellschaftliche Zustände, sondern eher ein ästhetischer. In Magnum-Termini war Arbus keine Reportage-, sondern eine Kunstfotografin. Ihre Motive: Dinge, die ihr noch nicht gesehen habt. Dinge, die ich noch nicht gesehen habe. Diane Arbus, 1923 in New York als Diane Nemerov zur Welt gekommen, wuchs in einer behüteten Umgebung auf. Ihre Eltern besaßen ein Kaufhaus, das tägliche Leben vollzog sich in den sicheren bürgerlichen Bahnen. Diane sah das, was viele andere als glückliche Kindheit bezeichnet hätten, als belastend an. Sie suchte den Ausbruch aus dieser Welt. Das Kennenlernen der “Anderen”, die sie portraitierte, gab ihr die Möglichkeit dazu. Wobei Kennenlernen sich darauf beschränkte, die Vertrautheit herzustellen, die für ein fotografisches Porträt nötig ist. Es blieb aber bei einem Betrachten von außen, einem Bestaunen, der Suche nach dem immer neuen. Und hier unterscheiden sich der Schriftsteller und der Fotograf: Der Schriftsteller bringt immanente Besessenheiten und Traumata zum Ausdruck, der Fotograf – und Arbus ist hier als extremes Beispiel zu nennen – sammelt diese Eindrücke “extern”.
Sie Verstrickte sich und ihre Betrachter in eine Welt, die für uns als Symmetrie liebende Rasse zugleich abstoßend und doch aufgrund ihrer Fremdartigkeit auch irgendwie anziehend wirkte. Aus dieser Welt fand sie selbst nicht mehr heraus. Am 26. Juni 1971 beging sie in Greenwich, New York Selbstmord.
Ihre Werke stehen heute für sich, unbelastet davon, wie sie entstanden oder welche Haltung die Urheberin zu ihren Motiven einnahm. Beim Betrachten von Arbus Fotografien bleibt jedoch der unbehagliche Eindruck zurück, man befinde sich gerade in einer der Mitte des 20. Jahrhunderts bereits gesetzlich abgeschafften “Freak-Shows“.
Eine Auswahl von Fotografien von Diane Arbus finden Sie unter anderem bei Photography-Now.Net
In dem Film Fell oder Ein imaginäres Porträt von Diane Arbus aus dem Jahr 2005 wird ihr die zweifelhafte Ehre einer “filmischen Würdigung” zuteil. Diane Arbus wurde dort von Nicole Kidman dargestellt – der Inhalt des Films sollte allerdings nicht als biographisch korrekte Aufzeichnung ihres Lebens verstanden werden.
Näheres zu Leben und Werk der Künstlerin kennt wie immer die Wikipedia.
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