Medientipp: “Warten auf Godot” im Kopftheater

“Warten auf Godot” von Samuel Beckett ist ein wunderbares Beispiel dafür, was man sinnvolles mit einem iTunes-Gutschein anfangen kann. Nämlich zum Beispiel sich die englische Fassung des Theaterstücks herunterladen, anhören und dabei im eigenen “Kopftheater” inszenieren. Ein Glanzstück ist auch die deutsche Aufführung mit Horst Bollmann, Klaus Herm und Stefan Wigger, die Beckett selbst 1974/75 am Berliner Schiller-Theater inszenierte. Ebenfalls als Tondokument zu bekommen, sogar in unserer städtischen Leihbücherei.

Beim Nachlesen zum Stück bei Wikipedia bin ich über eine bemerkenswerte Aussage des Autors gestossen, als er dazu befragt wurde, ob denn das Warten auf Godot in Wiklichkeit ein Warten auf Gott sei. Sinngemäß muss Beckett geantwortet haben, wenn er Gott gemeint hätte, dann hätte er dies auch so gesagt.  Armer Interviewer. Konsequenterweise gibt es wenige direkte Äußerungen des Autors zu den  Interpretationsversuchen zu seinem Stück und diese sind mannigfaltig. Manchmal auch etwas  hirnrissig, zumindest aus meiner Sicht. Aber das ist ja das schöne an einem literarischen Werk, dass der Leser frei in der Interpretation ist.

Kleine Anekdote am Rande: Estragon wurde in der ersten britischen Theaterproduktion von “Warten auf Godot” gespielt von Peter Woodthorpe, dem Mann der später auch den knarzigen Pathologen Max in den frühen “Inspector Morse”-Folgen spielte und 1978 dem Gollum aus dem Herrn der Ringe in der animierten Fantasy-Fassung von Ralph Bakshi seine Stimme lieh.

Wer statt des Kopftheaters doch eher die visuellen Medien bevorzugt, der kann sich eine große DVD-Box mit Stücken des Meisters zulegen: http://www.beckettonfilm.com/ . Sehens-, hörens- und lesenswert ist das Stück allemal und auch wenn es inzwischen schon ein paar Jahre alt ist, findet jeder der es nur will, seine ganz eigene Aktualität darin.

Und: Hier geht’s zum Zeit-Interview mit Klaus-Bollmann.

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Der Chefredakteur der gleichnamigen Website. Zugegeben manchmal ein ziemlicher Brummbär.